Gestern durfte ich an einer sehr interessanten und teilweise emotionalen Diskussion teilnehmen. Es war der Abschlusstermin der diessemestrigen Projektstudie Softwareentwicklung, von mir großspurig Retrospektive getauft. Ob es wirklich eine Retrospektive war sei einmal dahin gestellt. Auf jeden Fall haben wir uns über Bewahrenswertes, Verbesserungswürdiges und Bemerkenswertes unterhalten.

Ich möchte hier einmal die Ergebnisse zusammenstellen und ggf. kommentieren.

Auf jeden Fall möchte ich allen danken, die dafür gesorgt haben, dass eine Diskussion zu Stande gekommen ist. Da kann ich noch so “nett” sein. Letzten Endes ist es meine Aufgabe, die Arbeiten zu bewerten. Um so schöner finde ich es, dass wir es in diesem Semester zu einer offenen Diskussionskultur geschafft haben.

Danke schön!

So, nun die Punkte, die wir angesprochen haben. Meine Bemerkungen sind kursiv gekennzeichnet.

Bewahrenswertes

Teambildung

Die Zusammenstellung der Teams nach dem Zufallsprinzip wurde von allen positiv gesehen. Dadurch haben sich neue Bekanntschaften gebildet, insgesamt haben sich alle näher kennen gelernt.

Das Vorgeben (und Annehmen) von projektspezifischen Rollen führte nach Meinung der Teilnehmer zu einer professionellen Arbeitsweise, die sich von der üblichen Gruppenarbeit erheblich unterscheidet.

In diesem Semester kam es zum ersten Mal zu einer umfangreicheren Zusammenarbeit zwischen den Projektteams. Fehlten in einem Team bestimmte Kompetenzen, so halfen Mitglieder eines anderen Teams aus.

Das sehe ich auch so positiv. Das liegt aber nur zum Teil an der Umgebung, die ich bereit gestellt habe. Zum größten Teil ist das das Werk der Teilnehmer. BTW, heute habe ich einen interessanten Artikel über Gruppen- vs. Teamarbeit gelesen, der passt gut zur Situation der Projektstudie ;-)

Regularien

In der Projektstudie wurde nicht nur die Art und Weise vorgegeben, wie sich die Teams zusammensetzen. Neben der Festlegung auf bestimmte Werkzeuge (Trac, Mercurial) wurden weitere “Spielregeln” von mir definiert. Dazu gehörten wöchentliche Statusreports, Protokollierung aller Besprechungen, Verwendung des Ticketsystems, u.s.w.

Diese Vorgaben sollen beibehalten werden, evtl. sogar ausgebaut werden, um einen der verbesserungswürdigen Punkte, die Arbeitsbelastung, abzumildern.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut feste Regeln ankommen. Zuerst denke ich, dass diese als Einschränkung empfunden werden. Im Laufe des Semesters stellt sich heraus, dass diese Regeln eher helfen. Daher werde ich in Zukunft die Regularien im Sinne von Hilfestellungen weiter ausbauen. Angedacht (und von Ihnen bestätigt) sind: definiertes “Standardteam” (1 Projektleiter, 1 Dokumentator, 1 Qualitätsmanager, Rest Entwickler), definierte Entwicklungsumgebung (Maven, Hudson, Mercurial, Trac), definierte Ablaufumgebung (Portal Server), weitere Vorlagen.

Organisatorisches

Die regelmäßigen Präsenztermine wurden positiv aufgenommen. Wir haben uns zu den festen Terminen in der großen Gruppe getroffen, offene Punkte gemeinsam besprochen, ggf. haben einige ihre Arbeitsergebnisse präsentiert und anschließen haben die Projektteams separat gearbeitet.

Dadurch wurde ereicht, dass sich jedes Projektteam regelmäßig getroffen hat, offene Punkte schneller erkannt und behoben wurden. In normaler Gruppenarbeit passiert es oft, dass man sich zu selten trifft und erst gegen Ende entdeckt: die Einzelteile passen nicht zusammen.

Ebenfalls wurde positiv angesprochen, dass ich während der Präsenztermine (und darüber hinaus) ansprechbar war. Mein “Management by walking around” hat vielen Teams weitergeholfen. Das sollte nach Ansicht der Teilnehmer ebenso bewahrt werden, wie der Einsatz eines studentischen Coaches.

Dieser Coach hatte angeregt, dass sich alle Projektleiter gerade in der ersten Zeit zu einem Erfahrungsaustausch treffen. Auch dieses Vorgehen hat vielen geholfen. Solche teamübergreifenden Treffen sollen zukünftig auch für andere Rollen (Entwickler, Qualitätsmanager, …) stattfinden.

Es freut mich, dass mein Herumlaufen nicht als Spitzelversich gewertet wurde, sondern eine Hilfe war. Auch in Zukunft werde ich versuchen, einen studentischen Coach zu finden, der den Teilnehmern die Hemmschwelle mindert, zu fragen und ggf. zu eskalieren. Die übergreifenden Besprechungen halte ich für eine sehr gute Idee.

Inhaltliches

Ingesamt wurde der Lerneffekt der Projektstudie als groß eingestuft. Im Grundstudium wurden eher theoretische Inhalte gelernt, die nun angewendet werden konnten. Trotzdem wurden auch die eher theoretischen Inhalte dieses Semesters als nützlich für die Projektstudie anerkannt. Die Teilnehmer äußerten, dass sie sich selbst besser kennengelernt haben, insbesondere auch was ihre eigene fachlichen Ziele betreffen.

Seufz, das ist das Ziel der Projektstudie. Und wenn das erreicht ist, bin auch ich zufrieden ;-).

Verbesserungswürdiges

Arbeitsbelastung

Die Arbeitsbelastung wurde von sehr vielen als zu hoch angesehen. Einige meinten sogar, dass man sich in diesem Semester zwischen der Projektstudie und sonstigen Prüfungen entscheiden müsste. Es gab aber auch Stimmen, die meinten, die Belastung sei hoch, aber nicht zu hoch gewesen.

Sicher ist die Arbeitsbelastung bei einer Projektstudie nicht unerheblich. Die Projektstudie ist mit 6 Credits bewertet, dass sind 180 Stunden. De facto kommen noch die 2 Credits von Projektmanagement 2 hinzu, dass man auf eine Nettoarbeitszeit von einem Monat kommen kann.

Ich denke, die Gründe für die als hoch empfundene Arbeitsbelastung sind vielfältiger Natur. Zunächst einmal ist es die erste Projektstudie im Studium. Vorher wurden Vorlesungen und Übungen besucht, bei denen man selbst nicht zu sehr aktiv sein musste. Das ist in der Projektstudie definitiv anders. Zum anderen haben fast alle Projektteams ihr Arbeitspensum selbst bestimmt und sich dabei überschätzt. Möglicherweise aus Gründen des Nichtversagenwollens unterblieben korrigierende Maßnahmen. Sicher auch aus Angst um eine schlechte Note. Es gab zu viele Details bei der Entwicklung zu beachten, mit denen sich die Teilnehmer bisher so nicht beschäftigt haben. Die Rollenaufteilung war in einigen Teams nicht optimal.

Viele dieser Punkte lassen sich durch Hinweise, durch Coaching und durch Regelungen (siehe oben) verbessern. Auch sollte die Einstufung und der Arbeitsaufwand für die Projektstudie überdacht werden. Daran bin auch ich interessiert.

Hinweise

Die Teilnehmer wünschten sich weitere Hinweise zu einzelnen Regelungen, wie z.B. zur Möglichkeit einer fließenden Rollenverteilung in Form der Definition einer Kernrolle und möglichen Varianten. Auch einige Werkzeuge, wie z.B. Mercurial und Ant bedürfen einer weitergehenden Erklärung. Einer der Teilnehmer meinte:

Mercurial ist bestimmt ein tolles Werkzeug. Wenn es näher erklärt würde, brächte es für alle einen riesigen, umfassenderen Nutzen.

Die weiteren Hinweise werde ich ab nächstem Semester gerne geben.

Transparenz bei der Benotung

Viele Teilnehmer wünschten sich eine größere Transparenz bei der Notengebung, nach dem Motto: “Wenn ich folgendes mache (unterlasse), bekomme ich eine um X% höhere (niedrigerere) Note”.

Ich fand die Diskussion über den Sinn und Unsinn von Noten spannend. Lernt man für eine gute Note oder um etwas besser zu können? Das ist natürlich eine Frage, die jede(r) für sich selbst beantworten muss. Genauso wie die der Relevanz guter Noten im Zeugnis.

Die Zusammensetzung der Note ergibt sich aus den gewichteten Teilnoten “Codepräsentation”, “Individuelle Leistung gemäß eigener Rolle”, “Teamleistung” und “Leistung für das Team”. Ich selbst (und die meisten Führungskräfte wohl auch) wäre froh, wenn man projekt- und teamunabhängig über einen festen Katalog z.B. die Leistung für das Team messen könnte. So müssen wir uns mit Heuristiken behelfen und alle das Gehirn eingeschaltet lassen ;-)

Bemerkenswertes

Ich fand die sehr intensive Nutzung des Wikis besonders bemerkenswert. Ich habe zwar noch keine Statistik erstellt, aber in diesem Semester wurde mehr mit dem Wiki (Trac) gearbeitet, als in den Semestern vorher zusammengenommen (damals: DokuWiki und Mantis). Möglicherweise hängt dies auch mit der zunehmenden Nutzung der Wiki-Technologie im Grundstudium zusammen.

Die Teilnehmer bemerkten die sehr intensive Kommunikation, sowohl innerhalb der Teams als auch zwischen den Teams. Das hätten sie sich nicht so (positiv) vorgestellt. Die darüber hinaus persönlichen Erfahrungen waren für die meisten ein Highlight.

Jetzt beim Schreiben fällt mir ein weiterer Punkt ein: viele Teilnehmer haben sich mit dem “warum” beschäftigt. Das finde ich toll. Und noch besser ist es, wenn sich alle die Frage stellen: Warum?

Bemerkenswert fanden viele (inkl. mir) die gute Moderation der Retrospektive durch zwei der Teilnehmer. Und das schöne Protokoll ;-)


Falls ich etwas vergessen oder ungeschickt dargestellt habe, einfach eine E-Mail an mich. Oder hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Blogeintrag.

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Das Semester ist noch nicht zu Ende, aber trotzdem wird es langsam Zeit, dass ich über die Erfahrungen der Projektstudie Softwareentwicklung berichte. In der letzten Veranstaltung hatten wir uns in einem großen Kreis zusammen gesetzt, um über die Projektstudie zu reflektieren.

Zunächst möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal bei allen Beteiligten bedanken. Es ist schwer, Feedback zu geben, wenn Noten noch nicht vergeben sind. Ich danke für Ihr Vertrauen, so offen für Sie relevante Punkte anzusprechen. Und noch dazu bei jemanden, den Sie erst vor einem Semester grob kennen gelernt haben.

Danke schön!

So, was hatte ich auf unserer Sammeltafel notiert (meine Anmerkungen in kursiv)?

Zunächst das, was als positiv empfunden wurde.

1. Firmenprojekte

Auch dieses Semester wurden zwei der fünf Themen von externen Firmen gestellt. Diesmal war sogar SAP Consulting mit dabei. Die andere Firma war (leider) nicht ganz so präsent. Trotzdem ist es gut, praxisnahe und -relevante Projekte durchzuführen, besonders wenn die Ergebnisse später auch produktiv eingesetzt werden.

Dies sehe ich auch so. Ich freue mich, dass wir die Strukturen haben, relativ unkompliziert Projektstudien mit externen Firmen zu planen und umzusetzen. Für das nächste Semester ist wieder etwas in Planung. :-)

2. Räumlichkeiten und Werkzeuge

Der reservierte Gruppenarbeitsraum Y002 wurde als sehr hilfreich empfunden. Genügend Platz, mehrere Weißwandtafeln, Steckdosen für die eigenen Notebooks unterstützten die Arbeit. Auch wenn es ruhig mehr Steckdosen sein dürften ;-)

Als Werkzeug war besonders Dropbox hilfreich. Es bietet sehr gute Möglichkeiten für den Austausch von Dateien, auch mit externen Kunden. Den einen oder anderen hat die Backup-Funktionalität sehr geholfen.

Das Wiki hat Ihnen als Wissensbasis geholfen, da auch frühere Semester hier ihre Erfahrungen dokumentiert hatten.

Die Verfügbarkeit des Gruppenarbeitsraum wird auf jeden Fall beibehalten. Ich versuche im nächsten Semester mögliche Störungen durch andere Veranstaltungen weiter zu verringern

Den Einsatz von Dropbox sehe ich mit gemischten Gefühlen. Es hat Sie auch dazu verführt, das Werkzeug zur Versionsverwaltung (Subversion) eher zu wenig einzusetzen. Ich nehme mit, expliziter festzulegen, was in die Dropbox gehört, was in das Werkzeug zur Versionsverwaltung und was in das Wiki.

Siehe auch Punkt 7 aus dem letzten Semester.

3. Statusberichte

Der Zwang zu wöchentlichen Statusberichten hat Ihnen geholfen, das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren.

Und ich hatte zunächst gedacht, Sie würden den Zwang als zu restriktiv ansehen. So kann man sich täuschen.


Jetzt zu den Punkten, die Sie als verbesserungswürdig ansehen.

4. Teambuilding

Sie haben einen Workshop zur Verbesserung der Teamfähigkeit angeregt. Die Teams waren ja, bis auf eine Ausnahme, im wahrsten Sinne des Wortes, zusammengewürfelt (auch wenn es kein realer Würfel war, sondern nur ein Zufallszahlengenerator). Viele Teammitglieder kannten sich vorher höchstens vom Sehen, die Gruppe musste sich zum Team zusammenraufen.

Ich gebe zu, so richtig habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Zum einen sollen Sie genau diese Erfahrung machen: mit relativ Fremden zusammen arbeiten und nicht nur eine Gruppe, sondern ein Team sein. Ein Workshop könnte möglicherweise das Bewusstsein für “Gruppe vs. Team” schärfen, aber ob ein “Teamunfähiger” dadurch “teamfähig” wird bezweifle ich.

Der Studiengang hat in diesem Semester einen ähnlich gelagerten Workshop für die Erstsemester durchgeführt. Ich bin gespannt, welche längerfristigen Ergebnisse hier zu erwarten sind.

5. Mehr Retrosprektiven

Es wurde von Ihnen als gut angesehen, dass wir die Feedbackrunde zum Ende der Veranstaltung durchgeführt haben. Diese sollte aus Ihrer Sicht häufiger durchgeführt werden. Als Anregung an zukünftige Projektteams sollten Retrospektiven auch teamintern durchgeführt werden.

Die Anregung nehme ich gerne mit. Ich werde im nächsten Semester eine weitere Feedbackrunde für die Mitte des Semesters einplanen. Teaminterne Retrospektiven sollte m.E. moderiert werden. Vielleicht kann dies der studentische Coach übernehmen.


Als weder rein positiv, noch rein verbesserungswürdig haben Sie folgende Punkte angesprochen:

6. Pair Programming

Pair programming hat vielen geholfen, sich tiefer in das jeweilige Gebiet einzuarbeiten. Problematisch wird gesehen, dass im Werkzeug zur Versionsverwaltung nur ein Benutzer als Bearbeiter gespeichert wird.

Ja, ich nutze die Informationen aus dem Werkzeug zur Versionsverwaltung, um abzuschätzen, wer wieviel an der Entwicklungsarbeit beteiligt war. Da immer nur einer als Bearbeiter angegeben werden kann, sollten Sie sich entsprechend beim Einchecken abwechseln. Und wenn Sie zusätzlich dokumentieren, wann Sie mit wem Pair programming betrieben haben, kann ich dies berücksichtigen.

Also: keine Angst vor dem Pair programming

7. Risikomanagement

Sie bemerkten, dass es Ihnen geholfen hat, eine initiale Risikoanalyse durchzuführen. Diese sollte aber im Laufe des Projektes immer wieder durchgeführt werden, da sich die anfänglichen Annahmen immer mal wieder als falsch heraus stellen.

Ja. Das nennt man dann Risikomanagement ;-). Ich nehme das einmal als Botschaft an Ihre Nachfolger.

8. Zeit- / Aufgabenbewusstsein

Hier gab es nach Ihrer Auskunft erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Teammitgliedern. Einige sahen es eher “locker”, andere sehr penibel. Dies gilt es im Team zu harmonisieren.

Dies ist sicher ein Punkt zur Teambildung. Ist von mir so gewollt, das sollen Sie lernen. Manche können das besser als andere. Aber so ist das Projektleben ;-). Auch dies nehme ich als Anregung an Ihre Nachfolger im kommenden Semester. Evtl. kann auch hier der studentische Coach unterstützen, z.B. in den teaminternen Retrospektiven.


So, habe ich noch etwas vergessen? Ich hoffe mal nicht und freue mich, Sie dann im nächsten Semester in Projektmanagement 3 zu sehen, wenn Sie nicht das Proxasissemester absolvieren. Falls ich etwas vergessen habe, einfach eine E-Mail an mich. Oder hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Blogeintrag.

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Der Abschluss ist zwar schon ein wenig her, aber besser spät als nie: die Dokumentation dessen, was wir in diesem Semester in der Projektstudie Softwareentwicklung als relevante Erkenntnisse gewonnen haben.

Ich möchte mich auf diesem Wege noch mal bei allen Beteiligten bedanken. Es ist schwer, Feedback zu geben, wenn die Noten noch nicht vergeben sind. Es gehört eine gehörige Portion Vertrauen dazu, so offen zu agieren, auch wenn ich betone, dass ich den Inhalt von Feedbackgesprächen nicht in die Notenvergabe mit hinein beziehe. Vielleicht gab es in der Vergangenheit auch negative Erfahrungen mit dem einen oder anderen Kollegen. Deshalb: Danke schön!.

Was hatte ich mir aufgeschrieben (meine Anmerkungen in kursiv)?

1. Firmenprojekte

Die Themen von zwei der vier Projekte wurden von externen Firmen gestellt. Dies wurde von allen positiv gesehen. So (relativ) früh im Studium schon mit Unternehmen in Kontakt zu treten und “echte” Projekte durchzuführen war für alle Beteiligten gut.

Sehe ich auch so. Ich hoffe auch für das nächste Semester wieder Unternehmen zu gewinnen, die für Projekte zur Verfügung stehen.

2. Zu viel Zeit vertan, sich selbst überschätzt

Gerade in der Anfangsphase wurde nicht genug Arbeit in die Planung und den Entwurf der Software investiert. 15 Wochen sind eine Menge Zeit und zu Beginn sieht man nicht, dass man diese wirklich benötigt. Dazu gehört auch, das die Aufgabe eher unterschätzt und sich viele selbst überschätzt haben. Am Anfang wurde zu viel dokumentiert. Die geforderte Dokumentation wurde als zu umfangreich bewertet, die Struktur für das Pflichtenheft sollte vorgegeben werden.

Ja, auch nach meinem Gefühl haben Sie es zu Beginn etwas zu locker angehen lassen. Die zu Beginn ungenutzte Zeit kann später kaum aufgeholt werden, dazu sind 15 Wochen zu kurz! Sie besuchen nicht nur meine Veranstaltung ;-)

Durch die zu erstellende Dokumentation möchte ich sicherstellen, dass Sie die wichtigsten Schritte der Softwareentwicklung auch durchführen. Es geht mir nicht nur um das Endergebnis. Mir ist auch der Weg zum Ergebnis wichtig. In einem relativ kleinen Projekt wie diesem mag es egal sein, wie man zum Ziel kommt. Spätestens bei einem größeren Projekt bekommen Sie dann aber Probleme. Das erste größere Projekt ist dann u.U. Ihre Abschlussarbeit.

Die Struktur für einzelne Dokumente gebe ich ungern vor, da diese nur als Formulare denn als lebende Dokumente aufgefasst werden. Ich möchte Ihr Nachdenken und die Kommunikation fördern und nicht nur ihr Vermögen Formulare auszufüllen. Das müssen Sie woanders genug.

3. Mehr Coaching

Einige Teams waren der Meinung, sie hätten sich zu früh auf eine später als falsch erkannte PM-Methode festgelegt. Statt V-Modell wäre z.B. eine agile Methode besser geeignet gewesen. Um dieses zu verhindern, sollte vor dem Festlegen auch eine Methode ein Coaching vorgesehen werden. Gut wäre auch eine Art “Pflichtgruppencoaching”, bei dem ein Termin als Pflicht zum zwanglosen Kennenlernen vorgesehen ist.

Sowohl die studentische Hilfskraft als auch ich stehen Ihnen beratend zur Seite. In einer Projektstudie sollten die Aktivitäten von Ihnen, den Teilnehmern, ausgehen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie. Und wenn Sie meinen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, dann korrigieren Sie diese.

4. Verschiebung des Termins für “Projektmanagement 2″

Die Verteilung der Stunden war nicht optimal. Der Termin der parallelen Veranstaltung Projektmanagement 2 lag nicht optimal. 6 Stunden am Block für die Projektstudie und 2 Stunden für “Projektmanagement 2″ erlaubten keine so gute Nutzung von gemeinsamer Zeit.

Positiv war das Vorziehen der Inhalte von “Projektmanagement 2″.

Für das kommende Semester ist geplant, 2 Blöcke a 4 Stunden für beide Veranstaltungen vorzusehen.

5. Rolle des Prof.

Es war nicht immer klar, in welcher meiner diversen Rollen ich mit Ihnen kommuniziere:

  1. als Professor, der Ihre Arbeit bewertet,
  2. als Entwicklungsleiter, der dafür sorgen soll, dass die Projekte vorangehen,
  3. als Kunde, sofern es kein “Firmenprojekt” ist,
  4. als Berater für Probleme aller Art.

Am Anfang, als Sie mich noch nicht vertieft kennen gelernt hatten, ist vielen von Ihnen auch nicht klar gewesen, dass ich wirklich genügend “schizophren” bin, um diese Rollen auch auszufüllen.

Wie jemand von Ihnen meinte: zum ersten Termin sollten wir in den Biergarten gehen. Dem stimme ich dem Sinne nach zu (Mitte März und evtl. Anfang Oktober könnte das Wetter nicht mitspielen). Möglicherweise haben Sie sich in den ersten Semestern ein Bild von den Professoren gemacht, dem ich in dieser Veranstaltung nicht entspreche. Und zur Kennzeichnung der aktuellen Rolle bin ich auf diese Mütze hingewiesen worden (Dank an A.K.).

6. Technische Probleme

Der Zugriff auf die technischen Hilfen, wie Mantis, DokuWiki und Subversion-Server, ist nur über das fehleranfällige VPN der Hochschule möglich. Das Wiki erlaubt es zudem nicht, mehrere Versionen einer Datei zu speichern.

Den Server betreiben wir selbst. Wir sind darin aber höchstens geübte “Laien”, die grob wissen, wie man es richtig macht. Einen Server öffentlich ins Netz zu stellen stellt evtl. ganz andere Anforderungen, gerade wenn der Quellcode bei “Firmenprojekten” nicht zu sehr öffentlich sein soll. Wenn es mit dem VPN Probleme gibt, melden Sie diese bitte an das Rechenzentrum der Hochschule. Das mache ich auch ;-).

Kaum eine Wiki-Implementation erlaubt es von einer Datei mehrere Versionen zu speichern. Ich sehe mir aber einmal an, ob ich die Konfiguration so ändern kann, dass ein ähnlicher Effekt erreicht wird. Ansonsten bleibt als Abhilfe, dass die zu versionierenden Dateien im Subversion gespeichert werden und im Wiki dorthin per URL verwiesen wird.

7. Technische Hilfen

Der Einsatz von Dropbox war für das Arbeiten im Projekt sehr hilfreich. Gut war auch, dass projektübergreifende Tipps & Tricks im Wiki standen.

Dropbox, ggf auch mit TrueCrypt sind seit einiger Zeit auch in meinem Werkzeugkasten. Diesen suche ich zu erweitern. Evtl. helfen auch Dienste wie Twitter bei der Projektkommunikation. Ich probiere gerade auch andere Werkzeuge zur Versionierung, Bugtracking und Dokumentation aus.

Das Wiki lebt übrigens auch von Ihren Beiträgen ;-)

8. Viel gelernt

Sie haben viel über sich und andere gelernt. Positiv vermerkten Sie, dass Sie in dieser Veranstaltung aus ihren Fehlern lernen konnten und dies nicht erst im Berufsleben tun mussten. Sie haben nicht nur technische Fähigkeiten erworben, sondern begriffen, dass es sehr stark auf Kommunikation ankommt.

Das sollte das Ziel dieser Veranstaltung sein. Wenn es erreicht wurde, freut es mich sehr.

Eine kleine Anregung: es sollte m.E. nicht nur ein Kennenlerntermin mit dem Prof. geben, sondern auch Sie sollten sich untereinander kennen lernen. Denken Sie an die Teamuhr aus Projektmanagement 1


So, habe ich noch etwas vergessen? Ich hoffe mal nicht und freue mich, Sie dann im nächsten Semester in Projektmanagement 3 zu sehen. Dort geht es darum, erworbenes Wissen an andere zu vermitteln.

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Sie sind dabei, Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten zu Geld zu machen. Ihr Bereich ist die Informationstechnologie. Deshalb studier(t)en Sie z.B. Electronic Business.

Sie arbeiten selbständig.
Für ein Angebot rätselten Sie lange herum, wie hoch der zu fakturierende Aufwand sein wird. Auf Basis dieser Schätzung gaben Sie bei Ihrem potentiellen Kunden ein Angebot ab.

Und nun das!
Der potentielle Kunde verlangt, dass Sie mit der Hälfte Aufwandes auskommen sollen.

Was nun?
Gerade wenn Sie mit Ihrer Schätzung etwas unsicher sind, werden Sie den Impuls verspüren, dem Verlangen statt zu geben. Bestimmt weiß der potentielle Kunde viel besser, als Sie, wie hoch der Aufwand sein wird.

Doch halt!
Wenn der potentielle Kunde wirklich weiß, wie hoch der Aufwand ist, weshalb hat er diesen dann nicht gleich genannt? Oder meinen Sie, er wollte Sie testen? Dann hätten Sie mit der doppelt so hohen Schätzung tendenziell den Test nicht bestanden. Und trotzdem will er mit Ihnen weiterarbeiten?

Das ist aber nett.
Im Allgemeinen liegt die Sache ganz anders. Der mögliche Kunde hat vielleicht eine grobe Ahnung vom Aufwand. Hoffentlich hat er auch eine Planung, was das Ganze kosten darf. Aber er hat vor, den Auftrag zu vergeben und die anstehenden Aufgaben nicht selbst durchzuführen.

Auch der Kunde ist Bundestrainer.
Jeder meint zu wissen, wie z.B. Software geschrieben wird. Da setzen sich einige Leute an den Rechner und tippen, unter Einfluss von viel Koffein, das Programm in den Rechner. Stimmt. Jungs, haut den Ball nach vorne, ins Tor. So gewinnen wir!

Wirklich?
Tatsächlich hat jede Tätigkeit die ihre eigene Komplexität. So wie es nicht einfach ist, eine Feile gerade zu halten, damit das Werkstück rechtwinklig bleibt, so kämpft auch jeder in der Informationstechnologie mit den Tücken des Faches.

Miteinander reden.
Der mögliche Kunde spricht in der Regel nicht aus lauter Nächstenliebe mit Ihnen, wenn es um den Auftrag geht. Sie können etwas, das er nicht leisten kann. Wenn es um die tatsächliche Durchführung geht, sind Sie der Experte. Deshalb möchte er den Auftrag vergeben und die anstehenden Aufgaben nicht selbst durchführen.

Durchatmen.
Also, der mögliche Kunde möchte, dass Sie mit der Hälfte des Aufwandes auskommen.

Wie geht es weiter?
Zuerst sollten Sie sich überlegen, ob Sie in der Aufgabenstellung nicht etwas übersehen haben. Häufig ist es so, dass Sie die Anforderungen anders verstanden haben, als er diese gemeint hat. Oder Sie sind sich nicht sicher, ob die Anforderungen wirklich so gemeint sind und haben deshalb einen kleinen Sicherheitszuschlag erhoben.

Dann reden Sie!
Mit dem potentiellen Kunden sollten Sie sich dann zusammen setzen und offene Punkte klären. Fragen Sie so lange, bis alle Ihre Fragen beantwortet wurden oder bis er keine Antworten mehr geben kann.

Der Kunde muss wissen, was er nicht weiß.

Gerade dann, wenn er keine Antworten mehr geben kann, gibt es beim möglichen Kunde einen Aha-Effekt. Er weiß auf einmal, dass das zu lösende Problem möglicherweise komplexer ist, als gedacht. Zugleich haben Sie Kompetenz gezeigt, ihm diese Erfahrung zu geben.

Gut, aber.
Alle Fragen sind geklärt, trotzdem beharrt der Kunde auf Halbierung des zu fakturierenden Aufwands?

Von der Technik zum Business.
Dann sind es keine inhaltlichen Punkte mehr, die offen sein könnten. Es ist dann eine wirtschaftliche Frage. Letzten Endes möchte der potentielle Kunde Ihren Stundensatz halbieren.

Das ist Ihre wirtschaftliche Entscheidung.
Sie müssen wissen, ob Sie diesem Begehren nachgeben wollen. Vielleicht wäre dies Ihr erster richtiger Kunde. Den möchten Sie unbedingt gewinnen. Oder der Kunde könnte später als Referenz dienen. Oder er lockt mit Folgeaufträgen. Oder, oder, oder.

Sagen Sie “Nein”.
Sie haben sich doch lange überlegt, wie hoch der Aufwand vermutlich sein wird und wie hoch dann Ihr Angebot ist. Wollen Sie das alles wegschmeißen? Sind Sie so schlecht, dass diese Überlegungen nichts mehr wert sind?

Dann sollten Sie aufhören.
Nein, Ihre Arbeit hat Ihren Wert und damit einen Preis für Ihre Kunden. Wenn Sie auf Druck des potentiellen Kunden das Angebot signifikant nach unten korrigieren (ich rede hier nicht um 10%), dann bewirkt dies folgendes:

  1. Sie disqualifizieren sich selbst. Sie stimmen ja dem Kunden zu, dass Ihre (Schätz-) Arbeit nicht viel wert ist.
  2. Der Kunde wird es später noch einmal probieren.
  3. Ihr Verhalten spricht sich herum. Auch andere probieren es.
  4. Ihre Kompetenzen werden nicht mehr wahrgenommen.
  5. Der Kunde hat weniger Respekt vor Ihnen.
  6. Ihr Selbstbewusstsein leidet.

Dies ist keine gute Basis für einen (wirtschaftlichen) Erfolg. Sie werden entweder Zeit oder Raum investieren müssen, um die Punkte zu entkräften. Sie brauchen Zeit, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Oder sie müssen sich räumlich/geografisch verändern.

Dabei sind Sie der Experte!
Deshalb sollte Sie mit dem möglichen Kunden die inhaltlichen Fragen klären und dann Ihre Schätzung abgeben. Auf Basis dieser Schätzung gehen Sie gemeinsam die wirtschaftlichen Aspekte an.

Ablehnen.
Beharrt der mögliche Kunde auf der Reduktion der Schätzung, dann wäre das Ablehnen des Auftrag eine bedenkenswerte Option. Zum einen signalisieren Sie ihm damit Ihre Grenzen und er überlegt es sich womöglich anders. Zum anderen bestehen Sie auf Ihrer Kompetenz. Diese wird ein anderer Kunde wahrnehmen. Ein “Nein” ist zugleich die Chance auf etwas Neues.

Angestellt?
Übrigens, auch Ihren Vorgesetzten können Sie in diesem Zusammenhang als “Kunde” sehen. Das “Ablehnen” ist in diesem Fall etwas anders. De facto werden geben Sie dann dem Vorgesetzten die Verantwortung für ein mögliches Scheitern.

Zusammenfassung
Der Hinweis auf eine zu hohe Schätzung kann als Hinweis auf eine ungenügend verstandene Aufgabenstellung dienen. Ist aber die Aufgabenstellung klar, dann sollten Sie dem Begehren auf eine signifikaten Reduktion der Schätzung nicht nachgeben. Schliesslich sollen Sie die Aufgaben auch durchführen, und nicht der Kunde.

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Wir wissen nicht wohin, aber das ganz genau

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