Sie soll zeigen, dass innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus dem Fach selbstständig nach wissenschaftlichen Methoden bearbeitet werden kann. (§26 SPO HHN, Allgemeiner Teil)

Die Studien- und Prüfungsordnung gibt es vor: in der Abschlussarbeit, ob nun Diplomarbeit, Bachelorarbeit, Bachelorthesis, oder wie die Arbeit gerade benannt wird, muss der Studierende nachweisen, dass sie/er nach wissenschaftlichen Methoden arbeiten kann.

Doch was bedeutet dies konkret? Worauf hat der Studierende zu achten? Wie soll ich eine Arbeit als Gutachter bewerten?

Eine Bewertung aus dem Bauch heraus (“ich finde die Arbeit gar nicht einmal so schlecht”) ist nicht der Weg der Wahl. Spätestens nach dem dritten Gutachten skaliert das Bauchgefühl nicht mehr und man fängt an, Arbeiten miteinander zu vergleichen (“Die letzte Arbeit war eine 2, diese Arbeit ist nicht schlechter, also gibt es eine 2+”).

Jede Arbeit muss für sich isoliert bewertet werden.

Wenn Arbeiten nur noch in Relation zu anderen bewertet werden, besteht die Gefahr, dass sich die Bewertungen in eine bestimmte Richtung bewegen. Die Erinnerung an die letzte Bewertung trügt, und schon wird die vorliegende Arbeit anders bewertet. Im Endergebnis führt dies zu einer Schwemme von Einsen und Zweien. Wie kann da ein Durchschnitt von der Note Drei erreicht werden? Sind diese Einsen und Zweien dann noch etwas wert?

Deshalb habe ich angefangen, Bewertungskriterien auszuarbeiten. Ausgangspunkt war das Bewertungsschema für Seminar-, BA- und MA-Arbeiten von Joachim Grzega. Eine weitere wichtige Quelle war How science works: The flowchart. Nebenbei, eine nette Website für Studierende und Dozenten.

Herausgekommen ist die folgende Liste. Es mag auffallen, dass dort Inhalt und Umfang der Arbeit nicht explizit erwähnt werden. Das Arbeiten nach wissenschaftlichen Methoden steht nun einmal gemäß SPO im Vordergrund, nicht Inhalt und Umfang. Aber keine Sorge, inhaltslose und schmalspurige Arbeiten fallen auch bei diesen Kriterien auf.

  1. Wurde ein einheitliches und übliches Layout verwendet?
  2. Wird korrekt zitiert, sind Quellenangaben ausreichend und gibt es ein korrekt aufgebautes Literaturverzeichnis?
  3. Stimmen Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik?
  4. Ist die gesamte Arbeit, wie auch die einzelnen Kapitel, nach dem Muster Einleitung/Inhalt/Zusammenfassung aufgebaut (“Erst sagen, was man sagen möchte, dann sagen, was man zu sagen hat und zum Schluss sagen, was man gesagt hat”)? Ist die Zusammenfassung (“Management Summary”) wirklich eine Zusammenfassung und nicht z.B. eine thematische Einführung?
  5. Wird die Frage/Hypothese in der Einleitung genannt? Ist sie fachlich relevant?
  6. Wird das Themengebiet angemessen vorgestellt und gegenüber anderen Gebieten ausreichend abgegrenzt?
  7. Erfolgen die einzelnen Schritte der Arbeit in einer logischen und dem Fach angemessenen Reihenfolge?
  8. Ist der “Stand der Technik” ausreichend berücksichtigt und richtig eingeordnet worden?
  9. Sind Begriffe klar definiert?
  10. Sind Beobachtungen/Beschreibungen/Klassifikationen richtig und nachvollziehbar?
  11. Sind Beobachtungen von Bewertungen deutlich getrennt?
  12. Sind für Aussagen die jeweiligen Quellen oder eigene Erhebungen vollständig angegeben?
  13. Ist die Qualität der Quellen ausreichend?
  14. Sind Beurteilungen/Schlüsse nachvollziehbar?
  15. Wurden Alternativen betrachtet (Produkte, Lösungswege, Szenarien, …)?
  16. Ist eine deutliche Eigenleistung erkennbar?
  17. Sind Aufbau und Präsentation der Arbeit der Publikationsform angemessen?
  18. Zeichnet sich die Arbeit durch etwas Besonderes aus?
  19. Gibt es einen Ausblick auf mögliche weitere Arbeiten?

Diese Punkte lassen sich kanonisch auf ein Notenschema abbilden: 0-2 = 5,0; 3-4 = 4,7; 5-6 = 4,0; 7-8 = 3,7; 9 = 3,3; 10-11 = 3,0; 12 = 2,7; 13-14 = 2,3; 15 = 2,0; 16 = 1,7; 17-18 = 1,3; 19 = 1,0.

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Ich habe zwei Diplomarbeiten zur Begutachtung auf dem Schreibtisch. Die eine Arbeit wurde de facto im Copyshop vervielfältigt und dort auch gebunden. Als “Ausstattung” besteht die erste Seite aus Klarsichtfolie, die letzte Seite ist verstärkte Pappe. Kosten ca. 10 Euro.

Die andere Arbeit wurde offenbar von einem Buchbinder hergestellt. Festes Papier, Farbdruck, dicker Buchdeckel mit goldener Prägung und einem Bändsel als eingebautes Lesezeichen. Kosten ca. 50 Euro.

Was wollen mir beide Studenten damit (indirekt) sagen? Sagt mir Student #2, dass seine Arbeit besonders wertvoll ist? Was hält dann Student #1 von seiner Arbeit? Ich kann das nicht beurteilen.

Aber der relative Trend zu einer besonderen äußeren Form der Abschlussarbeit ist schon interessant. Ich kann nicht ausschließen, dass sich der eine oder andere Gutachter von der äußeren Form beeinflussen lässt. Aber kommt es darauf wirklich an?

Mir als Gutachter ist es wichtig, dass ich den Inhalt einer Arbeit beurteilen kann. Dazu muss ich diesen gut erfassen können. Ich möchte dort einfach mit einem Bleistift Randbemerkungen machen. Zig Seiten Quellcode schaue ich mir ohnehin lieber als Datei an. Oder, noch besser, live im Debugger.

Dafür brauche ich keine Goldprägung und 120g-Papier. Normales Papier reicht völlig. Ich kritzel dort sowieso herum. Ganz toll ist es auch, wenn der Seitenrand etwa 3-5 cm breit ist und der Zeilenabstand genügend Platz für Bemerkungen lässt.

Noch wichtiger ist natürlich ein Inhalt, der die Anforderungen an die Abschlussarbeit ausgezeichnet erfüllt. Angemessenes Thema, nachvollziehbares Vorgehen, Verwendung der wirklich relevanten Quellen, gute Strukturierung, ordentliche Querverweise und Quellenangaben. Das sind Punkte, die eine gute Abschlussarbeit auszeichnen.

Was das mit Schuluniformen zu tun hat? Soviel, wie Kleidung von Tommy Hilfiger oder von Kik mit den Qualitäten eines Schülers zu tun hat.

Aber ein eingebautes Lesezeichen ist trotzdem etwas feines.

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